Ein Wettkampf, der bleibt.
Es gibt Wettkämpfe, an die erinnert man sich wegen einer Bestzeit. Wegen einer Medaille. Wegen eines Rekords.
Und dann gibt es diese ganz besonderen Tage, die bleiben, weil sie etwas anderes zeigen: wie viel Freude Sport machen kann, wenn für einen Moment nicht Leistung, Normen und Erwartungen im Mittelpunkt stehen, sondern einfach der Mensch.
Genau so ein Tag war der 3. Oktober für die Fürstenfeldbrucker Wasserratten.
Zum ersten Mal nahm der Verein an einem Wettbewerb der Special Olympics teil. Die Bewegung schafft Menschen mit geistiger Behinderung einen Raum, in dem sie ohne Barrieren und mit deutlich weniger Leistungsdruck Wettkämpfe in verschiedensten Sportarten erleben können. Für die Wasserratten bedeutete das natürlich: Schwimmen.
Und für Magdalena Schöpf bedeutete es noch viel mehr.
Die Elfjährige stand an diesem Samstag in Straubing für die Wasserratten auf dem Startblock. Mit Badekappe, großer Vorfreude und diesem Lächeln, das inzwischen jeder kennt, der mit ihr trainiert. Magdalena ist seit dem vergangenen Schuljahr Teil der Gruppe A1, in der die Wasserratten erstmals ein inklusives Trainingskonzept umsetzen konnten.
Was dabei entstanden ist, lässt sich nur schwer in Zeiten oder Trainingsplänen messen.
„Jedes Training ohne Magdalena war ein Verlust für die Gruppe. Wie ein einziger Mensch den Tag jedes Kindes und vor allem auch der Trainer so bereichern kann, ist ein absolutes Geschenk“, beschreibt Trainer Vinzenz Stark die vergangenen Monate.
Mit viel Fleiß, aber vor allem mit unglaublich viel Freude hatte sich Magdalena auf ihren ersten großen Wettkampf vorbereitet. In Straubing durfte sie schließlich über 25 und 50 Meter Freistil starten.
Auch für viele Begleiter war dieser Wettkampftag etwas Neues. Wie würde ein Wettbewerb aussehen, bei dem nicht jede Sekunde über Erfolg oder Enttäuschung entscheidet? Bei dem Spaß, Teilhabe und das gemeinsame Erlebnis mindestens genauso wichtig sind wie die Platzierung?
Die Antwort darauf wurde schon wenige Minuten nach der Ankunft sichtbar.
Mehr als 100 Athletinnen und Athleten wurden von einem P-Seminar des örtlichen Gymnasiums begleitet. Jeder Sportlerin und jedem Sportler stand ein ehrenamtlicher Special-Olympics-Betreuer zur Seite, der vom ersten Weg zum Startblock bis hin zur Siegerehrung unterstützte. Niemand musste alleine suchen, warten oder sich Sorgen machen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und mittendrin: Magdalena.
Sie schwamm. Sie lachte. Sie fieberte mit. Und sie durfte erleben, dass dieser Wettkampf genau für Menschen wie sie gemacht war.
Am Ende standen eine Bronzemedaille und ein vierter Platz. Und selbstverständlich wurde auch dieser vierte Platz bei der Siegerehrung gefeiert – genauso, wie es sein sollte.
Doch eigentlich erzählen diese Platzierungen kaum etwas von dem, was an diesem Tag passiert ist.
Viel wichtiger war das Strahlen im Gesicht eines elfjährigen Mädchens, das zum ersten Mal einen Schwimmwettkampf erleben durfte, bei dem es nicht darum ging, sich an anderen Maßstäben messen zu müssen. Einen Wettkampf, bei dem sie einfach zeigen konnte, was sie am liebsten macht. Schwimmen.
Vielleicht ist es genau diese Freude, von der sich auch erfahrene Wettkampfschwimmer etwas abschauen können. Wer viele Jahre trainiert, beginnt irgendwann, auf Hundertstelsekunden, Platzierungen und Qualifikationszeiten zu schauen. Man ärgert sich über zwei Zehntel, über einen verpassten Finalplatz oder eine Zeit, die nicht so schnell war wie erhofft.
Magdalena erinnerte an diesem Samstag daran, warum viele überhaupt einmal mit diesem Sport begonnen haben.
Weil Wasser Spaß macht.
Weil es ein besonderes Gefühl ist, ins Wasser zu springen.
Weil man stolz sein darf, wenn man am anderen Ende des Beckens anschlägt.
Und weil eine Medaille manchmal weniger wert ist als ein Lächeln, das einen ganzen Raum zum Leuchten bringt.
Die Special Olympics haben an diesem Tag gezeigt, was gelebte Inklusion im Sport bedeuten kann. Eine geistige Behinderung darf niemanden davon abhalten, das zu tun, was ihn glücklich macht. Für Magdalena ist das Schwimmen.
Und für alle, die an diesem Samstag dabei sein durften, war es ihre Freude daran.

