Zwei Schwimmer, 21 Kilometer – ein Zeichen
Es gibt Herausforderungen, die man plant. Und es gibt jene, bei denen man erst unterwegs begreift, was sie wirklich bedeuten. Dieser Tag gehörte zur zweiten Kategorie. Zwei Schwimmer der Fürstenfeldbrucker Wasserratten – Felix Mende aus Olching und Maida Stark aus Emmering – stellten sich freiwillig einer Aufgabe, die weniger mit Geschwindigkeit zu tun hatte als mit Haltung. Mit Durchhalten. Mit dem Mut, nicht aufzuhören.
Ein Halbmarathon. Geschwommen.
21,1 Kilometer.
844 Bahnen auf der 25-Meter-Bahn.
1.678 Wenden.
7 Stunden und 50 Minuten im Wasser.
Um 9:30 Uhr sprangen sie ins Becken. Kein großes Spektakel, kein Publikum, das klatschte. Nur Wasser, Kacheln und ein Plan: 500 Meter am Stück. Immer wieder. 42 Mal. Am Ende noch einmal 100. Die ersten Stunden vergingen fast beiläufig. Die Bewegungen waren sauber, der Atem ruhig. Fünf Kilometer. Sechs. Sieben. Die Distanz wuchs – und mit ihr der Respekt vor dem, was noch kommen sollte.
Ab Kilometer 15 begann der eigentliche Kampf. Sechs Kilometer blieben – und plötzlich wurde jede Bewegung schwer. Die Schultern brannten, die Beine fühlten sich fremd an, jeder Armzug verlangte eine bewusste Entscheidung. Ab Kilometer 19 verstummte selbst der Schmerz. Nicht, weil es leichter wurde, sondern weil der Körper nichts mehr zu melden hatte. Die Nervenbahnen leer. Still. 19 Kilometer – eine Grenze, die sinnbildlich steht. So weit wäre eine Längsquerung des Starnberger Sees.
Kilometer 20. Fast geschafft. Der Körper wollte längst nicht mehr, doch der Kopf hatte aufgehört zu verhandeln. Es ging nicht mehr um Motivation, sondern um Richtung. Vorwärts. Um 17:16 Uhr war es vollbracht. 21,1 Kilometer. Der letzte Anschlag. Zwei erschöpfte Wasserratten, die sich im Wasser in die Arme fielen. Eine Distanz, die so noch niemand im Brucker Hallenbad freiwillig zurückgelegt hatte.
Doch diese 21,1 Kilometer waren mehr als eine sportliche Leistung. Sie sollten ein Zeichen sein. Ein Zeichen dafür, was möglich ist, wenn man bereit ist, Bahn für Bahn zu bleiben. Wenn man akzeptiert, dass es Phasen gibt, in denen es nicht leicht, nicht schön und nicht bequem ist – und man trotzdem weitermacht.
Dieses Zeichen wäre nicht möglich gewesen ohne ein stilles Team, das einem für diese Idee den Rücken frei hält. Ohne Schwimmmeister und Rettungsschwimmer die acht Stunden lang jede Stunde begleiteten. Es war Unterstützung. Rückhalt. Gemeinschaft. Genau das, was lange Distanzen erst tragbar macht.
Diese 21,1 Kilometer stehen sinnbildlich für ein Jahr voller Bahnen, Wendepunkte und stiller Kämpfe unter der Wasseroberfläche. Für Disziplin, Rückschläge und das Wiederaufstehen. Für Trainingstage, an denen niemand zuschaut. Für Momente, in denen man nur sich selbst beweisen muss, dass man noch einen Meter schafft.
Sie sollen Mut machen. Allen, die mit Perspektive ins Jahr 2026 starten. Allen, die zweifeln. Allen, die gerade an ihrem eigenen Kilometer 15 stehen. Grenzen sind selten dort, wo man sie vermutet. Oft liegen sie ein paar Bahnen weiter.
Diese Distanz markiert keinen Abschluss. Sie markiert eine Haltung.
Bleiben. Weitermachen. Vertrauen. Um seine bisherigen Grenzen hinter sich zu lassen.

